332 Familien haben sich aus der Armut befreit
Frank Ludwig, neuer SODI-Projektmanager für Entwicklungsprojekte in Vietnam und Kambodscha, berichtet vom Abschluss des Selbsthilfeprojektes für Familien mit Opfern von Blindgängern und Agent Orange.
Auf meiner ersten Evaluierungsreise besuche ich gemeinsam mit Ilona Schleicher Frau Le Thi Xuan in der zentralvietnamesischen Provinz Quang Tri. Sie ist 66 Jahre alt und im März letzten Jahres aus einer einfachen Hütte in ein neues Haus im Dorf Thuong Xuan in der Gemeinde Hai Thung gezogen. Ihr Ehemann wurde vor 19 Jahren auf dem Feld der Familie durch einen Blindgänger getötet. Sie blieb mit vier kleinen Kindern allein.
Wer diese unscheinbare Frau trifft, fragt sich, woher sie die Kraft genommen hat, ihre Familie jahrelang zu ernähren. Inzwischen sind ihre drei Töchter verheiratet und haben selber Kinder, die oft ihr Haus besuchen. Nur ihr inzwischen erwachsener Sohn wohnt noch bei ihr. Ihr neues Haus wurde für 1.120 Euro erbaut, davon erhielt sie 720 Euro aus dem SODI-Projekt, 400 Euro hat sie an Gespartem eingebracht. Aus dem SODI-Projekt erhielt Frau Le Thi Xuan auch einen Kredit von 120 Euro, mit dem sie einen kleinen Schweinestall hinter ihrem Haus finanzieren konnte.
Der Kaufpreis für ein Ferkel beträgt 12 Euro. Eine ausgewachsene Sau kann
zweimal im Jahr zehn oder mehr Ferkel werfen. Das macht einen Verkaufswert von 240 Euro. Der Kaufpreis einer Sau dagegen richtet sich nach ihrem Gewicht, 1 Euro das Kilo. Eine gute Sau sollte schon 50 Kilo wiegen, hat also einen Wert von 50 Euro. Wie Frau Le Thi Xuan haben auch 293 andere Familien so rechnen gelernt – dank des Projektes für 332 Familien, die Opfer von Blindgängern und Agent Orange geworden sind.
Das Projekt von SODI und der vietnamesischen Vaterlandsfront erstreckte sich über 8 der 10 Kreise der Provinz Quang Tri und lief von November 2007 bis Ende Januar 2010. Dank des gestiegenen Euro-Kurses konnten statt der geplanten 320 Familien sogar 332 Familien am Projekt beteiligt werden. Die Familien konnten aus kärglichen Hütten in feste Häuser mit Zugang zu sauberem Wasser und Toiletten umziehen. Auch in diesem Projekt war die Liste der Wartenden viel länger als die Möglichkeiten. Die Ärmsten und Bedürftigsten hatten Vorrang.
Von den 332 Familien haben 294 Kredite aufgenommen, davon 240 um Ferkel zu erwerben, 22 für den Ankauf von Kälbern, 7 für den Erwerb von Büffelkälbern und Ziegen, 5 für den Kauf von Enten, 2 für eine Fischzucht, 11 für handwerkliches Gewerbe wie Tischler, Schneider oder eine Dorfschmiede und 7 für andere kleine Handelsgeschäfte. Den meisten Familien ist es bereits jetzt gelungen ein ausreichendes Einkommen zu erwirtschaften.
Wir fahren ein Stück weiter und besuchen eine andere Familie. Frau Thai Van Thi lebt in der Gemeinde Hai Chanh und ist 61 Jahre alt. Sie betreibt eine Garküche. In ihrem Haus wohnen ihr Mann und drei ihrer Kinder. Vier ältere Kinder sind bereits verheiratet und haben das Haus verlassen. Ihr Mann hatte 1982 bei Feldarbeiten einen Unfall mit einem Blindgänger, überlebte ihn, wenn auch mit schweren Verletzungen an Armen und Beinen. Der Bau des neuen Hauses ist mit einem Zuschuss von 720 Euro aus dem Projekt unterstützt worden, 320 Euro hat die Familie als Gespartes eingebracht. Mit dem Kleinkredit von 120 Euro kann Frau Thi weiter ihre Garküche betreiben. Ihr Haus ist direkt an der Straße gegenüber einem Markt, an dem auch viele Busse halten. So kann sie täglich etwa 1.000 „Cassava“ (kleine Snacks) verkaufen und somit sich und ihre Familie ernähren.
Le Thi Xuan und Thai Van Thi sind nur zwei von 332 Familien, die sich mit Hilfe des SODI-Projektes aus der Armut befreien konnten. Wir danken allen Spenderinnen und Spendern, die als Hauspaten oder mit einer Spende für Ferkel oder Kleinkredite diese 332 Familien unterstützt haben.
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30.03.2010Projekt-Informationen:
Opfern von Agent Orange und Landminen in Vietnam helfen (Vietnam)