Hygienekurse und neue Brunnen in Tani // AUS DEM ARCHIV
Hygienekurse und Brunnenbau: Die sanitären Verhältnisse in sieben Dörfern der Gemeinde Tani, Provinz Kampot in Kambodscha, sollen sich wesentlich verbessern.
Von April 2006 bis Januar 2007 realisierte SODI gemeinsam mit den "Kambodschanischen Frauen für Frieden und Entwicklung" (CWPD) ein weiteres Projekt in der Gemeinde Tani, Provinz Kampot. Es sah Hygienekurse und die Verbesserungen der sanitären Verhältnisse sowie den Bau von Brunnen in sieben Dörfern der Gemeinde vor.
Das Projekt wurde von der Stiftung Nord-Süd-Brücken mit 5.356 Euro gefördert. SODI setzte Spendenmittel in Höhe von 4.406 Euro ein. Der Verein dankt Wolfgang Kutzek, München, für seine unermüdlichen Aktivitäten bei der Sammlung von Spenden. Im folgenden wollen wir die Ergebnisse des Projekts vorstellen (Auszüge aus dem Bericht von SODI an die Stiftung).
Hygienekurse für die Dorfbevölkerung
1.Training der Trainer
Das geplante zweitägige Training der Trainer fand am 15. und 16.06.2006 in Tani statt. Die zukünftigen drei Trainer, zwei Männer (ein befähigter Einwohner der Gemeinde und ein Mitglied des Gemeinderates) und eine Frau (Mitglied des Gemeinderates) waren von CWPD und dem Gemeinderat ausgewählt worden. Außerdem nahmen der Gemeindevorsteher und die Vorsitzende der CWPD des Kreises Angkor Chey an dem Training teil. Auf Anregung des Gemeindevorstehers erwarb ein weiteres Mitglied des Gemeinderates die Befähigung, Hygienekurse durchzuführen, so dass für die Kurse in den Dörfern vier Trainer zur Verfügung standen.
Die Kursteilnehmer wurden von zwei Lektoren der CWPD-Zentrale aus Phnom Penh, die mit der Durchführung von Hygienekursen in der Provinz Svay Rieng reichhaltige Erfahrungen gesammelt haben, qualifiziert.
Folgende Inhalte wurden durch interaktives Lernen vermittelt:
- Koordinierung von und Berichterstattung über die Hygienekurse in den Dörfern
- Methoden der Wissensvermittlung
- Kenntnisse über Grundregeln der Hygiene in Haus und Hof
- Kenntnisse über den Bau von Latrinen und die Schaffung einfachster Sanitäranlagen
Die zukünftigen Trainer erwarben sich mit viel Engagement die Befähigung, die Hygienekurse für die und mit der Dorfbevölkerung durchzuführen.
Auf Initiative des Trainerteams wurden von einem Maler kostenlos elf Bilder zum Thema Hygiene und sanitäre Verhältnisse entworfen und als Muster ausgedruckt, die jetzt auch auf der Homepage von CWPD zu sehen sind.
2. Hygienekurse für die Dorfbevölkerung
Die Kurse wurden im Zeitraum Juni bis August 2006 wie geplant in sieben Dörfern durchgeführt. An den 73 Kursen nahmen insgesamt 1.837 Menschen teil, davon 1.131 Frauen (62,4%).
Dieser hohe Anteil der Frauen entspricht dem besonders großen Interesse von Frauen an den Hygienekursen, denn sie helfen vor allem ihnen bei der Bewältigung des Alltags, bei der Betreuung der Kinder und bei der Gesundheiterhaltung der Familie. CWPD achtete darauf, dass auch die Männer in die Diskussion der damit verbundenen Themen einbezogen wurden. Damit wird die Entwicklung gleichberechtigter Geschlechterbeziehungen gefördert.
Die Trainer trafen sich monatlich mit Gemeindevertretern zu einer Auswertung der durchgeführten Kurse und zum Erfahrungsaustausch. Sie wurden dabei von Projektkoordinatorinnen der CWPD-Zentrale unterstützt. Nach Beendigung der Kurse fand ein abschließendes Evaluierungsseminar statt, in das neben den Trainern der gesamte Gemeinderat, die Dorfvorsteher, die CWPD-Vertreterinnen aus den Dörfern und interessierte Dorfbewohner, Lehrer, Mönche – insgesamt 34 Personen – einbezogen wurden.
Die Trainer schätzen ein, dass über 1.000 Kursteilnehmer das angebotene Wissen vollständig verstanden und gut verarbeitet haben. Etwa 500 Teilnehmer haben das Wichtigste, aber nicht alles verstanden, und reichlich 300 Dorfbewohner haben aufgrund ihrer geringen Bildung und ihres Alters nur wenig aufgenommen.
Nach Einschätzung der Teilnehmer des Evaluierungsseminars haben die Menschen vor allem begriffen, wo die Ursachen für eine Vielzahl von Krankheiten und Problemen zu suchen sind, mit denen sie konfrontiert sind. Ihnen war der Zusammenhang zwischen Hygiene/sanitären Verhältnissen und Gesundheit und letztlich mit ihrer wirtschaftlichen Situation bisher nur ungenügend bewusst. Etwa 50% der in den Kursen vertretenen Familien wollen in nächster Zukunft selbst hygienische Latrinen bauen. Die Teilnehmer des Evaluierungsseminars warfen die Frage auf, wie den absolut Ärmsten in den Dörfern, die in absehbarer Zeit aus eigner Kraft keine Latrine selbst finanzieren können, unterstützt werden können. Sie trugen über CWPD an SODI die Bitte heran, diesen Familien einen Zuschuss zur Anschaffung von Baumaterial zu gewähren. Diese Bitte wird von CWPD und SODI geprüft.
Praktische Anregungen, wie etwa durch die hygienische Aufbewahrung von Lebensmitteln und Sauberkeit in Haus und Hof auch ohne zusätzlichen Kostenaufwand Verbesserungen im Alltag der Menschenherbeigeführt werden können, haben vor allem die Frauen angesprochen. Trainer, Gemeindevertreter, Dorfvorsteher sowie CWPD stellten eine große Bereitschaft der Kursteilnehmer fest, in Zukunft gemeinsam dafür zu sorgen, dass ihre Dörfer sauberer werden.
3. Bau von Musterlatrinen
Wie geplant wurden im Zusammenhang mit der Durchführung der Hygienekurse in folgenden Dörfern insgesamt 18 Musterlatrinen gebaut: Tropaing Run (3), Kantrong (3), Takok (3), Tropaing Raing (2), Russey (2), Tapream (2).
Die Bestimmung der Standorte für die Musterlatrinen wurde mit der Durchführung der Trainingskurse für die Dorfbevölkerung abgestimmt. In aller Regel befinden sie sich auf den Grundstücken der Familien, bei denen Platz für die Durchführung der Kurse vorhanden war. Zugleich wurden soziale Aspekte berücksichtigt. So ist es nicht zufällig, dass 10 Musterlatrinen Haushalten zu gute kommen, die von allein stehenden Frauen mit Kindern (9) und Männern und Frauen über 60 Jahre (4) geführt werden. Die älteste Frau unter den Toilettenbesitzern ist 84 Jahre alt.
Die Familien, auf deren Grundstücken die Latrinen gebaut wurden, beteiligten sich mit Arbeitsleistungen bei der Installation sowie beim Bau des Toilettenhäuschens. Die älteren Menschen wurden von Nachbarn unterstützt. Familien mit größerer Wirtschaftskraft bauten zum Teil feste Toilettenhäuschen statt der im Standard vorgesehenen Häuschen aus Holz, Bambus und Palmblättern. Die Latrinen gingen in das Eigentum der Familien über.
Bau von Brunnen
Wie geplant wurden 15 Brunnen in den Dörfern Tropaing Run (4), Tropaing Raing (3) und Pral (8) gebaut. Aus Restmitteln des Projekts konnte ein zusätzlicher Brunnen in Pral gebaut werden.
In den drei Dörfern gab es vor dem Projekt insgesamt nur sechs Brunnen, die von 511 Familien genutzt wurden (pro Brunnen 85 Familien). 477 weitere Familien konnten sich nur aus verschmutzten Teichen mit Wasser versorgen, weil die Entfernung zum nächsten Brunnen sehr weit war. Mit dem Bau der neuen 16 Brunnen werden sich zwischen 25 und 50 Familien einen Brunnen teilen. Dies bedeutet gegenüber der Ausgangslage einen großen Fortschritt. Nach Einschätzung des Gemeinderates fehlen nach der Fertigstellung aller in den bisherigen SODI/ CWPD-Projekten gebauten Brunnen in Tani noch 20 Brunnen, um den Bedarf in der Gemeinde zu decken, davon 3 in Pral, 2 in Tropaing Raing und 4 in Tropaing Run. Diese 20 Brunnen werden in die Planung für ein ländliches Entwicklungsprogramm im Kreis Angkor Chey aufgenommen.
Die Tiefe der Brunnen liegt zwischen 45 und 75 m. Der Brunnenbauer hat mit großem Einsatz gearbeitet und konnte die Kosten im Rahmen halten. Alle Brunnen führen ausreichend Wasser. Die Wasserqualität ist gut, sie wurde von den zuständigen staatlichen Behörden geprüft.
Die Brunnenbesitzer und benachbarte Familien haben beim Bau der Brunnen geholfen. Sie sind vom Brunnenbauer und von CWPD-Vertreterinnen in die Sauberhaltung und Wartung der Brunnen sowie in die Ausführung kleinerer Reparaturen eingewiesen worden.
Die Brunnenbesitzer haben sich bei der Übergabe der Anlagen durch CWPD schriftlich verpflichtet, den umliegenden Familien jederzeit und kostenlos Zugang zu den Brunnen zu gewähren. Gemeinsam mit den Nachbarn haben sie sich verpflichtet, die Brunnen gut zu erhalten. Dazu wurden Brunnenkomitees gebildet. Brunnenbesitzer und mitnutzende Familien zahlen monatlich 2.000 Riel in einen Fonds, der für Wartungsarbeiten genutzt wird. Dorfvorsteher, Gemeinderat und CWPD-Vertreterinnen werden die Einhaltung der Vereinbarungen kontrollieren.
Gender, Nachhaltigkeit, Synergieeffekte
Die Tatsache, das CWPD für das Projekt in der Gemeinde Tani federführend war und in partnerschaftlicher Weise mit der Gemeindeverwaltung und der Bevölkerung in den Dörfern zusammengearbeitet hat, stärkt nicht nur das Ansehen der Frauenorganisation, sondern die Position der Frauen in der Gemeinde insgesamt. Frauen waren aktiv an der Verwirklichung aller Komponenten des Projekts beteiligt und konnten so ein größeres Selbstvertrauen aufbauen.
Die Betroffenen selbst brachten wiederholt, in schlichter Weise gerade deshalb mitunter sehr bewegend, ihre Freude über fühlbare Verbesserungen in ihrem Leben zum Ausdruck. Insbesondere fühlen sie sich in der ständigen Sorge um die Gesundheit der Familie entlastet. Sie sind hoch motiviert, das in den Hygienekursen Gelernte im Alltag tatsächlich praktisch anzuwenden. Mit einiger Sicherheit werden die Frauen die treibende Kraft bei der weiteren Verbesserung der sanitären Verhältnisse in den Dörfern sein.
Nach Einschätzung der Projektkoordinatorinnen von CWPD sind die Kurse auf großes Interesse und Zustimmung über die Grenzen der Gemeinde Tani hinaus gestoßen. Es ist der Frauenorganisation gelungen, gute Arbeitsbeziehungen mit und ein Vertrauensverhältnis zu den Gemeindevertretern und Dorfvorstehern sowie zur Dorfbevölkerung aufzubauen. Mit der Einbeziehung von Akteuren aus den Verwaltungen auf Provinz-, Distrikt-, Gemeinde- und Dorfebene sowie der Zielgruppe in Planung, Durchführung und Auswertung des Projekts hat CWPD erfolgreich Erfahrungen angewandt, die sie im Rahmen des von SODI und BMZ geförderten ländlichen Entwicklungsprogramms in der Provinz Svay Rieng gesammelt hat. Die aktive Mitwirkung aller Beteiligten ist auch für das von der Stiftung Nord-Süd-Brücken geförderte Projekt die beste Garantie für dessen nachhaltigen Erfolg.
Im Dezember 2006 hat ein erster Erfahrungsaustausch zwischen Gemeindevertretern und Lehrern aus dem Kreis Svay Teap (Provinz Svay Rieng) und ihren KollegInnen aus dem Kreis Angkor Chey (Provinz Kampot) stattgefunden, in dem es vor allem um die Kommunikation mit der Dorfbevölkerung, um deren Aktivierung und Einbeziehung in gemeinsame Entwicklungsanstrengungen ging. Die Gastgeber in Svay Rieng brachten dazu interessante Anregungen ein. Gemeinsam fanden die Gesprächspartner aus beiden Provinzen heraus, dass es sinnvoll ist, in künftigen Hygienekursen auch die Themen Vogelgrippe und sexuell übertragene Krankheiten aufzugreifen, denn in beiden Provinzen werden die Menschen zunehmend mit diesen Problemen konfrontiert.
Die SODI/CWPD-Projekte in Svay Rieng und in Kampot wurden inzwischen auch von einer Gruppe von ADRA (Adventist Development and Relief Agency) besucht, die mit finanzieller Hilfe aus Deutschland in Dörfern der Provinz Siem Reap den Zugang zu Wasser und die sanitären Verhältnisse verbessern will. In Svay Rieng konnte ADRA von CWPD eine Menge über die Einbeziehung der Menschen lernen. In Kampot nun rieten Vertreter von ADRA dazu, die Brunnen mit Zäunen gegen das Vieh zu sichern. "Für uns alle ist es gut", so schrieb CWPD-Projektkoordinatorin Sotheary, "dass wir bei der Durchführung der Projekte lernen und das Gelernte mit anderen teilen können."
Das von der Stiftung geförderte Projekt, die vom BMZ ko-finanzierte Errichtung einer Grundschule verbunden mit dem Bau von Brunnen sowie ein ausschließlich aus Spendenmitteln von SODI realisierten Brunnenprojekt in der Gemeinde Tani haben die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass CWPD und SODI in der Region ein ähnlich komplexes ländliches Entwicklungsprogramm vorbereiten, wie das erfolgreiche Programm in der Provinz Svay Rieng. Im Mittelpunkt werden auch hier Grundbildung, Zugang zu sauberem Wasser, Hygienekurse und Verbesserung der sanitären Verhältnisse stehen.
Ilona Schleicher, Projektmanagerin Asien