Ökologisch bauen in Otjiwarongo/Namibia // AUS DEM ARCHIV
In der Armensiedlung Orwetoveni, dem sozialen Brennpunkt der Stadt Otjiwarongo in Zentralnamibia, bauen sich Bewohner mit Hilfe von SODI 140 Häuser aus selbstgefertigten Lehmziegeln. Auch ein Kindergarten wird entstehen.
Mit dem Bau von 140 neuen und der Sanierung von 20 bereits vorhandenen Wohnhäusern aus Lehmziegeln schaffen sich 160 Haushalte, die bisher über kein oder ein sehr geringes Einkommen verfügen, durch Hilfe zur Selbsthilfe menschenwürdige Wohnbedingungen. Vom Aufbau von drei Kindergärten und dem Ausbau der Strom- und Wasserversorgung profitiert darüber hinaus die gesamte Kommune. Für Lehrlinge des Berufsausbildungszentrums von Okakarara wird das Projekt zum praktischen Anschauungsunterricht in Sachen Lehmbau. Alle Beteiligten tragen dazu bei, dass ökologisches Bauen mit einheimischen Rohstoffen in Namibia Schule macht.
160.000 Euro an Spenden sind notwendig, damit dieses von der EU geförderte Vorhaben mit einem Gesamtumfang von 962.700 Euro realisiert werden kann. Das Projekt hat eine Laufdauer von vier Jahren.
Bis Anfang 2005 wurden bereits 154 Lehmhäuser neu gebaut und drei Kindergärten, in denen auch an Aids erkrankte Kinder betreut werden, errichtet. In Zusammenarbeit mit Berufsbildungszentren in Namibia konnten 28 Lehrlinge im Projekt einen berufspraktischen Unterricht absolvieren. Mehrere hundert Slumbewohner haben durch die Produktion von Lehmbausteinen und Dachziegeln Verdienstmöglichkeiten gefunden und berufliche Fähigkeiten erlangt. 8 junge Leute aus Deutschland und Europa konnten bisher ein mehrmonatiges Praktikum absolvieren.
Ende 2005 soll ein Antrag für ein Folgeprojekt beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit eingereicht werden.
Ausgangslage in Orwetoveni
Otjiwarongo, für namibische Verhältnisse mit 80 km Luftlinie nur ein Katzensprung vom legendären Waterberg entfernt, bedeutet in der Sprache der Herero "ein angenehmer Ort". Herero weideten ihre Rinderherden hier, bevor ihr Aufstand gegen die koloniale Unterjochung durch das kaiserliche Deutschland 1904 am Fuße des Waterbergs blutig niedergeschlagen wurde. Die Sieger trieben die Herero in die nahe Wüste Omaheke. Sie gaben ein ganzes Volk dem Verhungern und Verdursten preis. Von den 80.000 Herero überlebten nur 24.000 das koloniale Genozidverbrechen.
Heute ist Otjiwarongo, wo sich wichtige Straßen und die Eisenbahn kreuzen, eine pulsierende Stadt. Sie ist wie andere Städte in Namibia ein Magnet für viele Menschen, die ihre Dörfer auf der Suche nach Lohn und Brot verlassen. Sie lassen sich am Rande der Städte in so genannten Squattercamps nieder. So entstand Orwetoveni am Ostrand von Otjiwarongo. Hier leben Angehörige unterschiedlicher Ethnien nebeneinander: Herero, Damara,Ovambo. Viele von ihnen müssen das Miteinander im multiethnischen Namibia erst erlernen.
In Orwetoveni leben nach Schätzungen der Stadtverwaltung etwa 30.000 Menschen. In nur 27 Prozent der Haushalte bezieht wenigstens eine Person ein Einkommen. 69 Prozent müssen monatlich mit weniger als 36 Euro auskommen. Ca. die Hälfte der Einwohner hausen in dürftigen Hütten aus Wellblech, Pappe und Holz. Wo die Armut grassiert ist der Alkoholmissbrauch nicht weit – in Orwetoweni ein großes Problem. Die schlechten Wohn- und hygienischen Bedingungen begünstigen Infektionskrankheiten, von denen insbesondere die Kinder betroffen sind.
Im Lehmhausprojekt sind die Hälfte der Häuslebauer Frauen, darunter viele alleinerziehende Mütter. Sie alle kommen nicht in den Genuss des Förderprogramms der Regierung Namibias für Armensiedlungen "Build together", weil sie die Konditionen für die Kreditvergabe nicht erfüllen können.
Partnerschaft und Partizipation
Entscheidende Voraussetzung für das Zustandekommen des Projekts war die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen SODI, der kommunalen Verwaltung von Otjiwarongo, dem Clay House Project (CHP) und dem Berufsbildungszentrum Okakarara sowie – und das ist für den langfristigen Erfolg besonders wichtig - die Einbeziehung der Menschen in Orwetoveni bereits in den Planungsprozess.
Die aktivsten Bewohner der Elendssiedlung haben bereits vor einiger Zeit Wohngebietskomitees gebildet, die die Anliegen der Bevölkerung mit der Stadtverwaltung beraten und die Menschen für die Bewältigung von Gemeinschaftsaufgaben mobilisieren.
Die Kommune stellt den Projektteilnehmern preiswerten Baugrund zum Erwerb und einen zinslosen Kredit zur Verfügung.
CHP bringt seine Erfahrungen und sein Fachwissen zum Lehmbau ein. Dank seiner langjährigen Kooperation mit dem internationalen Netzwerk Ecosouth ist die Organisation mit Techniken und Technologie für ökologisches, ökonomisches und nachhaltiges Bauen bestens vertraut. CHP organisiert nicht nur die Baudurchführung, sondern vermittelt den Projektteilnehmern im Prozess der Arbeit auch praktisches Know-How zunächst für die Fertigung von Lehmbausteinen und Dachziegeln, anschließend auch für einfache Maurerarbeiten. Dazu werden Gruppen gebildet, in denen auch Lehrlinge des Berufsbildungszentrums Okakarara arbeiten sollen. Für die Lehrlinge ist dies ein idealer berufspraktischer Unterricht in Lehmbautechnologie, in dem sie selbst zu Instrukteuren heranreifen.
Ein Projektkomitee, dem Vertreter der Stadtverwaltung (Gesundheit und Gemeinschaftsaufgaben), von CHP, der Wohngebietskomitees der Einwohner sowie der lutherischen Kirche angehören, koordiniert die Arbeiten, berät Probleme und trifft in Konsultation mit dem SODI-Vertreter in Namibia die notwendigen Entscheidungen.
Seit Anfang 2002 realisiert SODI in Zusammenarbeit mit der namibischen Nichtregierungsorganisation Clay House Project (CHP) in Otjiwarongo ein Projekt zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensverhältnisse in der Armensiedlung Orwetoveni, dem sozialen Brennpunkt dieser zentralnamibischen Stadt.
Für den Aufbau eines Hauses sind 1000 Euro an Spenden erforderlich. Auf Wunsch vermitteln wir Patenschaften für den Aufbau eines Hauses.
Bitte unterstützen Sie mit Ihrer Spende die Einwohner von Orwetoweni dabei, durch ökologisches Bauen eine Elendssiedlung in ein Gemeinwesen mit menschenwürdigen Lebensverhältnissen zu verwandeln.
Ansprechpartner: Klaus-Dieter Peters
Weitere Informationen zum Projekt:
ARTIKEL:
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(30.12.2005 | Projektmeldungen)
SODI-REPORT ARTIKEL:
Minister besucht Lehmhausprojekt
(01.01.2006 | 2006-01)





